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LEF

HyperSomniac

(Tipp des Monats 1/2018)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Jazz; Jazzrock / Fusion; Postrock; Psychedelic; RetroProg; RIO / Avant; Spacerock; sonstiges
Label: RareNoise Records
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Lorenzo Esposito Fornasari (LEF) Vocals
Eivind Aarset Guitars,Electronics
Nils Peter Molvaer Trumpet
Rebecca Sneddon Saxophone
Bill Laswell Bass
Stale Storlokken Hammond Organ,Keyboards
Kenneth Kapstad Drums

Tracklist

Disc 1
1. Opening 2.16
2. Parallel Powers 6.35
3. Surgery 1.47
4. Aran Has Changed 5.53
5. It's Alright 4.46
6. Quarrel 0.29
7. First Day of Work 4.55
8. A Glimpse of Emma 5.05
9. Pale Skin 0.57
10. Therapy 5.36
11. First Step 7.13
12. Let The Sun Fall Apart 7.14
Gesamtlaufzeit52:46


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


Um jetzt mal vorsichtig und unverbindlich die von mir gefühlte Richtung anzudeuten: „Hypersomniac“ könnte das beste Album sein, das Gruppen wie King Crimson, oder Motorpsycho bisher noch nicht aufgenommen haben. (Wenn King Crimson nach ihrem Erstling zusammen mit einigen Musikern aus der norwegischen Avant-Jazz-Prog-Szene ein Album im Geiste von „21st Century Schizoid Man“ aufnehmen würden, so könnte das Ergebnis in Teilen ein wenig „Hypersomniac“ ähneln).

Der Sänger Lorenzo Esposito Fornasari (von Freunden und Bekannten auch LEF genannt) ist einigen Musikkennern schon durch seine Beteiligung an Projekten wie Obake, Seven Mutations, Owls, O.R.k., Somma und Berserk bekannt. Dort konnte er oft durch seine enorm ausdruckstarke und variable Stimme beeindrucken. Auch auf „Hypersomniac“ reicht sein Stimmumfang vom tiefen Gröllen, über zerbrechliche Melancholie bis hin zu hohen Schreien.

Die von LEF für „Hypersomniac“ geschriebene Musik ist als Soundtrack zu einer Geschichte gedacht, die sich mal wieder mit der finsteren Zukunft der Menschheit befasst. Zu der in Zusammenarbeit mit dem Programmierer Pier Luigi Rocca und dem Comic-Zeichner Nana Octopus Dalla Porta kreierten Geschichte wurde im Internet im November 2017 eine „interaktive Graphic Novel“ vorgestellt, die Anfang 2018 für einige Wochen für jedermann zugänglich sein wird. Ebenso in Planung: eine choreographierte Live-Darbietung der Musik unter Verwendung der Comic-Bilder.

LEF konnte für sein erstes Soloalbum die erstklassigen Musiker und Musikerinnen gewinnen. Darunter sind der Bassist Bill Laswell, der Gitarrist Eivind Aarset, der Trompeter Nils Peter Molvaer, der Schlagzeuger Kenneth Kapstad, die Saxophonistin Rebecca Sneddon (Free Nelson Mandoomjazz), und der Organist Ståle Storløkken (Supersilent, Motorpsycho, Reflections in Cosmo).

Mehrere renommierte Jazzmusiker sorgen zwar auf „Hypersomniac“ wiederholt für starke jazzige Akzente, die jedoch nicht mehr (und nicht weniger) als eines von mehreren hier verwendeten Musikgenres zur Geltung bringen.

Nachfolgend einige Beispiele für die Klangbilder, die man auf „Hypersomniac“ findet. Es gibt skandinavischen Artrock mit starker psychedelischer Schlagseite, energetische Sessions im Geiste des Spacerock, des Avant-Jazz-Prog, oder von The Crimson ProjeKCts, eine donnernde Bassgitarre (von Bill Laswell), rotzige Saxsolos, anarchistische Free-Jazz-Rock-Ausbrüche, eine schräge Ballade zwischen Folk und Kammermusik, avantgardistische Klangcollagen, finstere Doom-Ambient-Rock-Passagen und experimentell angehauchten Ambient-Jazz. All das dient in erster Linie scheinbar als der musikalische Rahmen für die von LEF meist leidenschaftlich dargebrachten Songstrukturen. Unter diesen gibt es auch melancholische, ambient-artige, oder jazzig angehauchte Songthemen mit David Sylvan- oder David Bowie-Referenzen.

In „Aran has changed“ kommen auch noch kurz Pink Floyd-Anleihen zum Vorschein, zumal die Floyds erklärtermaßen zu den wichtigen Inspirationen von LEF gehören. Es gibt immer wieder hörspielartige Fragmente zwischen den regulären Stücken, die wohl der Konzeptgeschichte sehr dienlich sind.

Wer den modernen Prog, dem die Elemente von Retro Rock, Avantgarde, Psychedelia und Jazz beigemengt wurden, zu schätzen weiß, der sollte „Hypersomniac“ nicht verpassen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.12.2017
Letzte Änderung: 10.12.2017
Wertung: 13/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 3)


LEF bringt mit Hypersomniac wieder frischen Wind in das Genre retrospektiver Rockmusik! Freejazzig-psychedelisierter Noise frisch aus dem Sägewerk kontrastiert spannungs- und beziehungsreich mit einer tiefen Melodiosität, die facettenreich von Fornasaris Stimme - mit etwas Bowie-Touch -, getragen wird. Gelegentlich erfährt er auch noch Unterstützung durch einen Chor einschmeichelnder Backing Vocals.

Gerade Saxofon und Trompete wohnt neben traditionell Jazzigem oftmals eine geradezu infernalische Qualität inne. An den Keys wird sowohl mit dem Synthie Furore gemacht, als auch mit warmen Flötenklängen der Psychedelikfaktor erhöht. Manchmal drohen die Leistungen der großartigen Instrumentalisten beinahe hinter einer Wall of Noise zu verschwinden. Aber gerade in dieser Rezeptur, in diesem Beinahe, liegt der Reiz der dystopischen Musik.

Die multimedial umgesetzte Dystopie um Gedankenkontrolle hat auch nur selten Längen, bietet dafür aber viel endzeitliche Atmosphäre, die das Album bei allen stilistischen Details doch wie aus einem Guss erscheinen lässt. Beeindruckend!

Anspieltipp(s): Parallel Powers, It's alright, First day of Work
Vergleichbar mit: psychedelische Pink Floyd, King Crimson, David Bowie, Nine Inch Nails
Veröffentlicht am: 8.1.2018
Letzte Änderung: 8.1.2018
Wertung: 13/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


Ich mag sowas ja, so Cross-Media-Produkte. Es gibt zwar wenige, die sämtliche beteiligte Medien in gleicher Qualität bestücken, aber solche solche Gesamtkunstwerke üben trotzdem jedesmal auf Neue eine Faszination aus. Die Kreativität, die in solche Projekte einfließt! Die schiere Mühe!

Also: Am 14. November 2017 ist die interaktive Online-Graphic-Novel „Hypersomniac“ auf der Band-Website vorgestellt worden, die erste Episode wurde am 14. Januar 2018 auf der HyperSomniac-Website veröffentlicht - neue Episoden, insgesamt acht, wurden seither wöchentlich hinzugefügt. Angeblich ist die erste Episode kostenlos für alle einzusehen – gefunden hab ich sie aber nicht. Wie dem auch sei: Jeder, der „HyperSomniac“ in einem beliebigen Format aus dem RareNoiseStore vorbestellt, erhält einen Zugangscode.

Eine Live-Show, die Bilder aus dem Comic einbezieht, soll es auch geben. Klasse! Wie gesagt, ich mag solche Projekte. Fragt sich halt, wie viele Fans LEF dafür gewinnen kann, ein Risiko ist das schon.

Die Kollegen über mir ordnen das Album bei King Crimson und Pink Floyd ein, Vergleiche mit denen ich beim Anhören von „HyperSomniac“ nichts anfangen konnte (schon allein deswegen, weil diese beiden Bands musikalisch kaum etwas gemeinsam haben). Okay, Pink Floyd viellecht, Kenneth Kapstad trommelt hier auch nicht gerade weltbewegend. Man kann das Werk als düsteren Avant-Space einordnen, vieles hier ist aber im Grunde normale Rockmusik, die dann mit zahlreichen Instrumenten und Klangeffekten auf düster, verzweifelt, oder schlicht seltsam gebürstet wurde. „Parallel Powers“ oder „Aran Has Changed“, gleich am Anfang, sind gute Beispiele dafür. Mancher wird „First Day of Work“ für ein Stück halten, bei dem über einem durchgängigen Ostinato seltsame Geräusche erklingen. Vermutlich weil es genau das ist. Aber Nils Petter Molvær, Rebecca Sneddon und Ståle Storløkken können sowas halt schon verdammt gut. „First Step“ ist so ein Beispiel, da ist das großartig gelungen. Für mich deutlich der Höhepunkt des Albums. Und von den Songs ist „Let The Sun Fall Apart“ der, der bei mir am Besten funktioniert. Der hat viele schöne unerwartete Momente.

Alles in Allem ist „HyperSomniac“ wohl wieder so eine Scheibe in Richtung Motorpsycho. Wer der Meinung ist, dass ihnen die Motorpsycho-Alben von Motorpsycho genügen, der braucht diese Scheibe wahrscheinlich nicht. Wer dagegen davon nicht genug kriegen kann…

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Motorpsycho und Konsorten
Veröffentlicht am: 15.3.2018
Letzte Änderung: 15.3.2018
Wertung: 10/15
Gute Scheibe, mit Höhen und einigen Tiefen

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