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Marcello Giombini

Computer Disco

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1982 (LP-Neuaulage 2017 bei Mondo Groove)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Rock / Pop / Mainstream
Label: Forever Records
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Tracklist

Disc 1
1. Disco 1 3:37
2. Disco 2 3:44
3. Disco 3 2:59
4. Disco 4 4:05
5. Disco 5 3:56
6. Disco 6 3:54
7. Disco 7 3:44
8. Disco 8 3:56
Gesamtlaufzeit29:55


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Eine gewisse Form von Minimalismus scheint das Mittel der Wahl auf "Computer Disco" zu sein. Das blau-weiße Cover gibt keine nennenswerten Informationen her, und selbst aussagekräftige Songtitel spart sich Marcello Giombini diesmal. Immerhin lässt sich feststellen, dass auf der Plattenhülle nicht der von Giombini später so geschätzte Commodore 64 abgebildet ist. Der war aber 1982 in Europa auch noch gar nicht erhältlich, und selbst wenn - die markanten und bis heute in der Chiptune-Szene geschätzten zirpenden bis schwebenden Klänge des SID-6581-Soundprozessors fehlen auf "Computer Disco". Ob die Musik auf diesem Album nun tatsächlich auch mit dem Computer gemacht wurde oder aber ob mit diesem Titel schlicht gemeint ist, Discomusik für das Computerzeitalter (oder sowas) produzieren zu wollen, ist natürlich auch nicht erkennbar.

Rein klanglich nämlich wirkt "Computer Disco" trotz seines Erscheinungsdatums vergleichsweise "analog" und erweckt wie die übrigen Platten von Giombini einmal mehr den Eindruck, größtenteils von Hand eingespielt worden zu sein. Das gilt natürlich vornehmlich für melodische und harmonische Stimmen und weniger für die Rhythmik, die natürlich üblicherweise von Drumcomputer und sequenziertem Bass angetrieben wird. Aber auch diese Komponenten klingen nicht so schneidend, modern und steril wie auf anderen zeitgenössischen Veröffentlichungen, sondern haben ebenfalls etwas archaisches an sich - gerade die Percussion mit ihren dumpfen Bassdrum-Schlägen und zischelnden Sounds, die entweder Becken, Snare oder beides imitieren sollen, hat ein bisschen was von Kraftwerks "The Man-Machine"-Album.

Ist die Musik denn wenigstens Disco? Auch das ist nicht so einfach zu beantworten. Natürlich weisen einige Merkmale in diese Richtung: Die Musik ist auf die Rhythmik konzentriert und verlässt sich auf geradlinige 4/4-Takte sowie zugkräftige Basslinien (bspw. in "Disco 3"), ist mit einprägsamen Fanfarenmotiven eher fröhlich ausgefallen und überdies auch relativ simpel strukturiert, werden doch jeweils lediglich verschiedene wiederkehrende Parts bzw. Motive gegeneinander gestellt. Und trotzdem gibt es einige Momente, die aufhorchen lassen, weil sie in dieses Bild wiederum nicht passen und/oder die allzu große Gefälligkeit gelegentlich aufbrechen. Ein eher leichter Fall ist in "Disco 1" die Umgestaltung des Fanfarenmotivs zu einem Arpeggio, das ansatzweise an die Melodie von "The Final Countdown" erinnert.

Danach allerdings passiert einiges: Bereits "Disco 2" schiebt eigentümlich dissonante Breaks mit pentatonischer Harmonik und Percussion-Effekten ein, und die Downbeat-Phrasierungen von "Disco 3" und "Disco 4" erinnern eher an Reggae als an Disco. Ersteres leistet sich dabei außerdem verträumte bis psychedelische Sounds und spielt in seinem Hauptmotiv mit leicht atonalen Elementen. Ähnlich dissonante Unterbrechungen wie in "Disco 2" gibt's dann auch noch in "Disco 5". Der folgende 6. Teil wiederum klingt abschnittsweise sogar funkig (man könnte auch James Browns "Sex Machine" dazu spielen), entwickelt sich dann aber höchst kurios: Um 1:40 ertönt erst ein Break mit einer merkwürdigen Dudelsack-Imitation, danach allerdings fallen sehr bald zwei weitere eigenständige Stimmen in einen Solopart ein, der damit ähnlich polyphon ausgefallen ist wie damals der von Kansas' "Miracles Out Of Nowhere".

"Disco 7" wiederum maskiert seinen eigentlich recht flotten Rhythmus anfangs geschickt unter langsameren Basstönen und offenbar klassisch-romantisch inspirierten Melodien (hier muss ich irgendwie an Gustav Holst denken) und legt diesen erst am Ende offen. Zuletzt ist schließlich "Disco 8" vergleichsweise melancholisch ausgefallen, ebenfalls von schrillen Einwürfen (als würde der Schiedsrichter pfeifen) durchsetzt und stellt damit schon einen ziemlich deutlichen Kontrast zum Anfang dieses Albums dar. In dieser Hinsicht also gelingt es Giombini dann doch und sogar ziemlich geschickt, simple Disco-Ansätze (die in dieser Produktion ohnehin eher nach Kraftwerk zu Zeiten des schon erwähnten "The Man-Machine" und "Computer World" klingen) durch kuriose Einwürfe, schlüssige Kompositionen (ausgeblendet wird niemals) und ähnliche Anwandlungen in ein neues Licht zu rücken. Eine gewisse Lockerheit, um nicht zu sagen: Banalität kann "Computer Disco" zwar nicht abstreifen, im Ganzen allerdings ist hier dann doch einiges anders als erwartet.

Anspieltipp(s): Disco 3, Disco 6
Vergleichbar mit: Rolf Trostel - "Two Faces", Kraftwerk
Veröffentlicht am: 19.9.2018
Letzte Änderung: 19.9.2018
Wertung: 9/15
Eher simple Stücke, dafür aber nette Einfälle, unerwartete Elemente und ein kauziger Sound

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Marcello Giombini

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Synthomania 10.00 1
1980 La Bestia Nello Spazio 10.00 1
1981 Astromusic Synthesizer 11.00 1

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