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Monophonist

Bilanz 2010

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; Jazzrock / Fusion; Punk
Label: Laut! Records
Durchschnittswertung: 10/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Thomas Schlagzeug, Geräusche
Kenn Bass, Synthesizer
Daniel Gitarren, Synthesizer
Jonathan Stimme, Saxophon, Elektronik

Tracklist

Disc 1
1. Unsere persönliche Revolte 4:10
2. Der Vorhang 3:23
3. Erschütterung 5:40
4. Der gelbe Lurch 2:54
5. Kadenz 4:19
6. Glaub mir, ich meine es gut 5:21
Gesamtlaufzeit25:47


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Die Gelegenheit zum Kennenlernen des Quartetts Monophonist ergab sich bei einem Konzert der Jazzmetaller Panzerballett, wo selbige als eine von zwei Vorgruppen auftraten. Dass das vorliegende Minialbum, das Debüt der Band, gegen eine freiwillige Spende feilgeboten wurde, machte die Entscheidung zum Erwerb umso leichter.

Die vier Musiker, die lediglich ihre Vornamen preisgeben, zeigen sich deutlich vom Punk beeinflusst. Dies wird insbesondere im Gesang deutlich, der mehr eine Art gebellter bis gebrüllter Sprechgesang ist, bei dem im Staccato Texte deklamiert werden, die gleichermaßen gesellschaftskritisch wie skurril sind. Dazu rifft die Gitarre meist ordentlich in Hardcore-Manier, anstelle der üblichen Drei-Akkorde-Klischees werden die Songstrukturen jedoch immer wieder von unerwarteten Einschüben durchbrochen. Da unterlegen plötzlich hektische Drum'n'Bass-Rhythmen die Musik, kurze Ausflüge in Jazz-Gefilde oder elektronisches Klangwabern sorgen für Abwechslung. Und immer wieder finden sich inmitten des aggressiven Hardcore-Gebells unvermittelt geradezu filigrane Passagen, legt Gitarrist Daniel fein verzwirbelte Läufe hin oder Sänger Jonathan greift zum Saxophon haucht der Musik eine ordentliche Prise Lounge-Jazz ein. Andererseits kann das Ganze sich vorübergehend auch mal in völliges Chaos auflösen.

Dem Kölner Quartett ist hier eine ganze eigene Art von JazzPunkProg gelungen, von dem hoffentlich irgendwann auch ein Vollzeit-Album erscheint. Auf der Bandcamp-Seite von Monophonist kann man die EP komplett hören und auch gleich käuflich erwerben, sowohl digital als auch als physischen Tonträger.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.10.2012
Letzte Änderung: 31.10.2012
Wertung: 10/15

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 3)


Dem Projektleiter von Monophonist, Diplom-Toningenieur Jonathan Hoffmann ist es wichtig zu betonen, dass "Bilanz 2010" nicht etwa von ungebildeten Jungs aus der Plattenbausiedlung, sondern von ausgebildeten Musikern kommt. Bei der durchdachten Mischung aus zugleich dreckigem und verwinkeltem Rock/Metal, Punk-Gesang, Jazz und Elektronik wären die meisten auch selbst drauf gekommen.

Der erste Tonträger von Monophonist soll den Ehrgeiz belegen etwas bisher Ungehörtes zu schaffen, was sowohl das berühmt-berüchtigte Bauchgefühl, als auch den Intellekt anspricht. Und es passiert Unerwartetes: man hat selbst als erfahrener Hörer den Eindruck, mit "Bilanz 2010" ist Monophonist etwas Originelles gelungen.

"Der Vorhang" hat übrigens einen Preis des Verbands deutscher Tonmeister gewonnen.

Neulich habe ich erfahren, dass unser Planet in ca. 500 Millionen Jahren sowieso von der Sonne verbrannt wird. Bis dahin dachte ich es würde mindestens doppelt so lange dauern, was mich ungemein beruhigte. Unter diesem Blickwinkel sind die unser hoffnungsloses, meistens dem Bauchgefühl entspringendes Treiben auf der Erde dokumentierenden deutschen Texte von Monophonist nicht mehr ganz so aufwühlend. Man hat trotzdem bisher wohl nur selten beispielsweise Punk-Gebrüll zu elektronischer Musik gehört. Das war gerade eine kurze Beschreibung von "Erschütterung".

Auf dem Digipack ist ein Link angegeben, über den man die Musik als 5.1 Surround Mix herunterladen kann. Ob mit, oder ohne sechs Lautsprecher in der Wohnung/dem Haus, jeder an origineller Musik interessierte Hörer sollte sich an "Bilanz 2010" versuchen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.11.2012
Letzte Änderung: 3.11.2012
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 3 von 3)


Monophonist sind cool. Sie spielen eine auf Krawall gebürstete Mischung aus Punk, Jazz, Metal, Elektronik und purem Krach, für die die (leider offenbar schon anders besetzte) Wortkreation "Krasscore" wie die Faust aufs Auge passt. Und dazu gibt es ähnlich wütende deutschsprachige Texte in einer abgedrehten Ausdrucksweise, die ich sonst eigentlich nur von Intellektuellen-Punk à la Turbostaat ("Ufos im Moor") oder den Elektroboys ("Ich studier Physik und Politik") oder dem Brachial-Metal von Totenmond ("Die Membranen") kenne. Sowas macht immer Eindruck und verschafft Respekt.

Das Problem ist für mich aber, dass Monophonist auf "Bilanz 2010" trotz Innovation und Einfallsreichtum ein überwiegend nur schwer verdauliches Werk vorlegen, was hauptsächlich an der Musik liegt. "Unsere persönliche Revolte" gilt demnach nicht nur textgemäß dem metaphorischen "Papier" oder der "Gussform" des Konformismus, sondern auch allen üblichen Hörgewohnheiten, so hackig, technisch-mathematisch und wild klingt die Nummer. In ähnlicher Weise ist "Der gelbe Lurch" zwischen im Jazzkeller und Voivod-artigem Metalclub delokalisiert. So eine Mischung aus wüsten Ausbrüchen, spaßigen Einsprengseln anderer Stile und rap-artig skandierten Texten hat leider das Potenzial, im schlimmsten denkbaren Fall so richtig zu nerven.

Entsprechend sind die direkteren und straighteren Stücke der EP erträglich geraten. Namentlich sind dies das mit einer elektronisch-industriellen Collage unterlegte "Erschütterung", das an IDM à la Ventian Snares erinnernde "Der Vorhang" (ist natürlich immer noch arges Gebratze, aber wenigstens durchgängig) sowie die leicht postrockigen "Kadenz" und "Glaub mir, ich meine es gut". Hierbei allerdings steht "Kadenz" doch wieder etwas auf der Kippe, weil die schönen, Disillusion-artigen Strophen jäh für ein bisschen Elektronik-Geklöppel und verträumte E-Piano-Sounds unterbrochen werden.

Der Gesamteindruck meinerseits bleibt aber dennoch zwiespältig. Dafür ist "Bilanz 2010" als Ganzes insgesamt einfach zu aufwühlend, ätzend (im Sinne von "ätzende Kritik") und zappelig, als dass ich Schöngeist dafür eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen wollen würde. In jedem Fall wandeln Monophonist aber auf dem enorm schmalen Grat zwischen durchdachtem Genie und jenem Gaga-Crossover, den Hape Kerkelings "Hurz!"-Sketch seinerzeit so treffend porträtiert hatte.

Anspieltipp(s): Der Vorhang, Kadenz
Vergleichbar mit: Venetian Snares meets Panzerballett
Veröffentlicht am: 7.12.2012
Letzte Änderung: 7.12.2012
Wertung: 9/15
Nichts für Ästheten und Romantiker - das ist ziemlich urbane Musik.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Monophonist

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2014 Personalunion 11.00 1
2018 Über die Freiheit der praktischen Unvernunft 12.00 1

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